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“Superfoods – nur ein Trend?”

Superfoods sind mittlerweile nichts Neues mehr in der Welt der gesunden Ernährung. Ich hab mich intensiv mit dem Thema beschäftigt, da auch ich gerne mit exotischen Superfoods experimentiere. Jedoch bin ich bei meinen Recherchen auf schockierende Fakten gestoßen und habe mich dabei erwischt, nie hinterfragt zu haben, welche Auswirkungen es auf die Umwelt oder die Produzenten der Superfoods hat, wenn ich Chia-Samen, Açai, Chlorella und Co. kaufe!

In meinem Artikel möchte ich auf den Begriff “Superfood” generell eingehen und die Frage beantworten, ob Superfoods wirklich so gesund sind wie sie vermarktet werden und zu welchen lokalen, billigeren und vorallem gleichwertigen Alternativen wir greifen können.

Begriff

Der Begriff “Superfood” bezeichnet Lebensmittel, denen marketingtechnisch aufgrund ihres außergewöhnlichen Nährstoffanteils und ihrer teils medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe Nahrung und Heilmittel zugleich sind. Man könnte sie auch als “natürliche Nahrungsergänzungsmittel” bezeichnen. Meistens handelt es sich dabei um Beeren, Pflanzen oder Nüsse, die in weit entfernten Teilen der Welt ganz alltäglich sind und denen eine quasi wundersame Wirkung zugeschrieben wird.

Eine offizielle, rechtlich bindene Definition gibt es jedoch nicht!

Welche Superfoods gibts es?

Hier findet ihr einen kleinen Auszug bekannter Superfoods. Einige davon werde ich euch in den kommenden Wochen näher bringen. Habt ihr davon schon welche getestet? Dann würde es mich interessieren, welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt – teilt sie doch mit uns in den Kommentaren!

  • Açai-Beeren
  • Afa Algen
  • Aloe Vera
  • Camu Camu
  • Chlorella
  • Chia-Samen
  • Gojibeeren
  • Hanfsamen
  • Inkabeere
  • Kakao
  • Kokosnuss
  • Maca
  • Spirulina
  • Weizengras

Chiasamenroher-KakaoWeizengras

v.l.n.r: Weizengraspulver, roher Kakao und Chia-Samen

Superfoods – sind sie wirklich “super”?

Der Begriff Superfoods ist rechtlich nicht geschützt. Also kann jeder Händler sein Produkt als Superfood bezeichnen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass als Superfood angepriesenen Lebensmittel wirklich gesund sind und eine hohe Konzentration bestimmter Nährstoffe enthält. Das ist doch schon mal gut, aber…

Das Problem ist, dass die Wirkung auf den menschlichen Körper auf Laborforschungen basiert.

Die Beweislage rund um Superfoods

Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt zahlreiche Studien über die Wirkung von Superfoods. Beispielsweise konnte der Heidelbeere eine antioxidative Wirkung zugeschrieben werden, gleich wie der Açai-Beere. Jedoch ist zu beachten, dass beim Test von Lebensmitteln im Labor größere Nährstoffmengen verwendet werden, als Menschen für gewöhnlich täglich zu sich nehmen.

Hinzu kommt, dass die physiologische Wirkung vieler dieser Nahrungsmittel meist nur für einen kurzen Zeitraum anhält. Das bedeutet, dass diese Lebensmittel regelmäßig konsumiert werden müssen, damit ihre Wirkung bestehen bleibt. In gewissen Fällen kann dies sogar kontraproduktiv sein (z.B. zu viel Kakao in Form von Schokolade)!

Somit zeigt die Wissenschaft zwar, dass beispielsweise Kakao das Risiko von Herzerkrankungen verringert, indem er den Blutdruck senkt und die Elastizität der Blutgefäße erhöht. Wie jedoch gewisse Nährstoffe – gemeinsam konsumiert – miteinander bzw. aufeinander reagieren kann man so nicht sagen.

Außerdem werden bei den Forschungsarbeiten teilweise Tiere als Bezugsmodelle verwendet – inwieweit die Ergebnisse auf den menschlichen Organismus übertragbar sind ist nicht vollständig geklärt.

Tatsächlich haben die Nährstoffe dieser Superfoods nachweislich bestimmte gesundheitsfördernde Eigenschaften, bei genauerer Betrachtung werden jedoch die Schwierigkeiten deutlich, die beim Anwenden der Ergebnisse solcher Studien auf die tägliche Ernährung entstehen.

Schadet der Superfood-Boom der Umwelt?

Wenn der Westen ein bestimmtes ausländisches Produkt für sich entdeckt, steigt die Nachfrage und somit der Preis. Dies geht auch zu lasten der Bevölkerung in den Anbauländern, welche Superfoods wie Quinoa, Chia Samen oder Açai in ihre tägliche Ernährung schon seit Langem integriert haben. So hat sich beispielsweise der Preis für Quinoa verdreifacht!

Auch Bauern profitieren nur teils vom höheren Preis. Um im globalen Handel mitspielen zu können, brauchen sie große Anbauflächen. Die aber fehlen vielen Landwirten, die mit ihren kleinen Ländereien kaum mehr als für den Eigenbedarf produzieren können. Deshalb muss neue Anbaufläche geschafffen und dazu Wälder gerodet werden. Oft werden auch Täler als neue Anbaufläche genutzt.

Dazu kommen noch die hohen Transportwege zu uns in den Westen, die der Umwelt zusätzlich nichts gutes tun. Nachhaltig ist der Kauf exotischer Superfoods schon mal nicht!

Wann sind Superfoods wirklich super?

„Viele dieser Produkte, vor allem, wenn sie aus Asien stammen wie etwa die Goji-Beeren, sind mit Pestizidcocktails und Schwermetallen belastet. Auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden: gesund ist das eher nicht.“ – Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Unser Körper profitiert von den Superfoods nur, wenn wir uns auch sonst gesund ernähren und Sport betreiben. Denn ein Beilagensalat zum Wiener Schnitzel bringt bei ungesunder Ernährung genau gleich viel, wie ein Weizengrassmoothie – nämlich gar nichts.

Superfoods können also die Ernährung bereichern, die Versorgung sicherstellen beziehungsweise verbessern und eine ausgewogene Lebensweise abrunden.

Heimische Lebensmittel vs. Superfoods

Superfoods sind in aller Munde, aber es gibt auch lokal viele Produkte die es leicht mit den exotischen Varianten aufnehmen können. Einige davon haben sogar einen höheren Vitamingehalt. So können es Leinsamen leicht mit den trendigen Chia-Samen aufnehmen. Wenn man auf die Umwelt und sein Börserl achten möchte, sollte man definitiv zu heimischen Powerfoods greifen!

Hier eine kleine Aufstellung von heimischen Superfoods, die genauso gesund und lecker sind wie die exotischen Superfoods:

  • Goji Beere – Schwarze Johannisbeere
  • Chia-Samen – Leinsamen
  • Quinoa – Hirse
  • Açai Beere – Schwarze Johannisbeere, Heidelbeere, Rotkohl
  • Weizengras – Brokkoli, Grünkohl

Tipp: Galileo hat ein tolles Video zum Thema “Heimische vs. exotische Superfoods” gemacht. Ihr findet es hier

Fazit

Superfoods sollten nicht als Allheilmittel angesehen werden, verteufeln muss man sie jedoch auch nicht. Sie sind eine interessante Abwechslung auf dem Speiseplan.

Also bitte denkt daran, jeden Ernährungstrend zu hinterfragen und für euch selbst herauszufinden was gut für euch und andere (in unserem Fall Bauern) ist. Nur weil momentan jeder auf Superfoods abfährt, müsst ihr nicht alles kaufen was als gesund angepriesen wird. Nicht nur bei der Ernährung selbst gilt die Devise: “Die Mischung machts”.

Ich persönlich bevorzuge eine Mischung aus dem ein oder anderen Superfood und lokalen Produkten, die genauso gesund sind, aber leicht in Vergessenheit geraten. Bei Rotkohl würde zum Beispiel keiner auf die Idee kommen, ihn als Superfood zu verkaufen, obwohl er die gleichen Benefits hat wie so manches Superfood. Das gleiche gilt für Rote Beete und Grünkohl.

Wer sich auf lokale Nahrungsmittel fokussiert, spart nicht nur Nerven und Zeit – sondern auch jede Menge Geld. Zum Beispiel liefern geschrotete Leinsamen fast die gleichen Inhaltsstoffe wie teure Chia-Samen, kosten aber bloß ein Achtel davon.

Quellen:

(2016): „Ernährungstrends: Warum Superfood nicht super ist“. Wiwo.de. Abgerufen am 17. 08. 2016 von http://www.wiwo.de/technologie/forschung/ernaehrungstrends-warum-superfood-nicht-super-ist/13438432.html.

(2016): „Superfood: Was verbirgt sich wirklich dahinter? (EUFIC)“. Eufic.org. Abgerufen am 18. 08. 2016 von http://www.eufic.org/article/de/page/FTARCHIVE/artid/The-science-behind-superfoods/.

David Wolfe, „Superfoods – The Food and Medicine of the Future“

(2016): „Superfoods – Die Powernahrungsmittel“. Vimeda.de. Abgerufen am 18. 08. 2016 von https://www.vimeda.de/superfoods.

   

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